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AH-Wanderfahrt Mosel 2010


AH-Wanderfahrt 2010

vom 12. – 16. Mai von Neumagen bis Hatzenport

Teilnehmer: Ernst Bergner, Helmut Bohr, Peter Daberkow, Klaus Dalpke, Lothar Ganneck, Klaus Huth, Ulrich Hutz, Alge Kalktenborn, Dieter Meyer, Rolf Morgenstern, Michael Ohlenschlager, Norbert Oster, Wilhelm Schumacher und Hans Voigt.

Machen wir´s den Moselschleifen nach

Frohgemut verlassen wir am Mittwoch die Autobahn in Kaisersesch. AM MEILENSTEIN schippern wir parallel dazu ins LAUe BACHwasser, werfen dort all unseren MÜLL EN BACH und ALFlen mühsam weiter. Doch dann DRIESCHt der Fahrer den Bus mit Anhänger LUTZERATH nach Süden, alle sind schon völlig verschwitzt und ganz KENNFUS, doch würde uns jetzt ein BAD BERTRICHtliche Zeit kosten. „Kommen wir überhaupt HONTHEIM?“ WISPELT es von den hinteren Sitzen. Man hört die KINDER BEUERN – die BENGEL werden unruhig. Doch halt! – es geht durch zwei Tunnel, wir kommen ja in eine ALFertraute Gegend. SANKT ALDEGUND sei Dank: Der Fahrer BREMMst rechtzeitig. Der CAL MONT geht schon auf – jetzt eine warme STUBEN, das wär´s! E DI GERELLER auf uns herunterprasseln, NEHREN wird uns mit SEN HALS dem Zielort und – SEN HEIM – endlich!
Da schreckt auch nicht mehr, dass im „Weinhaus Halfenstube“, unserer Bleibe, Speisen und Getränke nur gegen Angabe der Zimmernummer herausgegeben werden. Allzu suspekt ist der raubeinige Haufen in dem von belgischen und niederländischen Gästen besetzten Gastraum. Ein bunt frisiertes Mädchen leistet bis nach Mitternacht Schwerstarbeit.

Vadderdaach nahe Gefrierpunkt

Im Yachthafen Neumagen, dem Sommersitz römischer Kaiser, dem Fundort des berühmten Weinschiffes, setzen wir nun die unseren ein. Großzügig erlässt uns die freundliche Hafenmeisterin 1/3 der Gebühren (!), man könnte sich einschiffen. Der Nachbau eines römischen Moselschiffes dümpelt an seinem Anleger.
Es ist arschkalt – T-Shirt und zwei Pullover für die Ruderer. Arme Steuerleute! Was so ein bisschen Vulkanasche ausmacht! Der Wind ist zum Glück sanft - glattes Wasser. Piesporter Goldtröpfchen. In Niederemmel haben sie das berühmte Diatretglas gefunden. Wintricher Großer Herrgott - Herrgott, was zieht das in der Schleuse! Also Windjacke an!
Brauneberger Juffer. Bis 1925 hörte der Ort auf den lieblichen Namen „Dusemont“. Dann erinnerte man sich, dass die Rheinlande ja schon 1000 Jahre bei Deutschland waren. Also – Namensänderung. Vorauseilende Beflissenheit? Mittags in der „Post“ in Mülheim hat der Landdienst schon unsere Speisenwünsche annonciert. Endlich wird´s warm – beim Anblick der erblondeten Bedienung. Teufel – was gibt´s für schöne Mädchen!
Bernkasteler Doktor, Graacher Himmelreich, Wehlener Sonnenuhr. Nachmittags werden die ersten Weine verkostet. Irrtum, nicht etwa diese prominenten Lagen, sondern Mitgebrachtes aus den Privatkellern, Lieblingsweine, oder einfach nur das, was dringend weg muss.
Abends liegen die Boote unterhalb des Bootshauses der RG Zeltingen, gegenüber von Kloster Machern.
In der „Halfenstube“ sind wir befördert worden und dürfen teilweise selber Striche auf unsere Deckel machen. Senioren sind ja so vergesslich!

Beton trifft environ – Terroir in Gefahr

Freitags - ach ja, Ürziger Sonnenuhr, Ürziger Würzgarten – Schicksalsfrage: Werden diese Toplagen den Brückenbau überleben? Schädlich für diese Lagen ist im Moment nur die frostige Temperatur: 8 °C! Das ist doch nicht in Ordnung, die sollen den Kachelmann endlich mal frei lassen! Erdener Treppchen. Schnittig gleiten die Boote unter der Brücke bei Wolf hindurch. Von oben gesehen machen die Alten Herren den meisten Staat.
Kröver Nacktarsch, hm. Überlebensgroße Skulpturendarstellungen – wat en Jammer! Ist das heute noch korrekt? Hoch thront die Grevenburg der Sponheimer Grafen über Traben-Trarbach. Hier ist Mittagspause in der „Costa Smeralda“. Schwarzhaariger Gegenentwurf. Nachmittags passieren wird die Starkenburg. Hat doch im 14. Jahrhundert die Sponheimer Gräfin Loretta den Erzbischof Balduin, den mächtigsten Fürsten, vom Schiff weg gekidnappt und dort in den Zollturm eingeschlossen! Das ist ihr zwar in der Folge nicht so gut bekommen, aber immerhin trägt eins der Fahrgastschiffe, das uns so große Wellen entgegen wirft, ihren Namen. Und nicht den des Bischofs.
Reiler vom Heißen Stein. Oben das Stahlskelett des Aussichtsturmes, die Marienburg. Wir sind an der großen Moselschleife. Briedeler Herzchen, Zeller Schwarze Katz. Dort am Bootshaus ist Ruderschluss.
Zurück in der „Halfenstube“ sitzen einige Unentwegte vor dem Duschen auf der „lieblichen“ Weinterrasse bei einem Absacker das schlechte Wetter aus. Abends tut der Fußmarsch über die Brücke nach Senheim ganz gut. Zum „Schinkenkeller“ geht es zwei Treppen in die brodelnde Unterwelt hinunter:
„Wenn in Senheim des Wand´rers Schritte stocken
weil köstliche Düfte aus tiefen Mauern locken …“
so holpert es gedruckt auf den Servietten daher. Zum Glück sind Schweinelendchen und – exklusiv für unser Küken - die XXL-Haxe erstaunlich gut bei dem Massenbetrieb!
In der „Lounge“ im Hotel, so heißt sie tatsächlich! klingt der Tag aus.

Film läuft rückwärts

Am Sonnabend Start in Zell. An Backbord schon wieder die Marienburg! Und da - ist das der Aussichtsturm von gestern oder ein anderer? Schon irritierend, die große Moselschleife! Das Wetter erlaubt ein 11-Uhr-Loch, die besseren Bordweine sind dran. VDP-Karaffen knipst man auf, die übrigen Lieblingsweine brauchen Korkenzieher. Praktisch – die Schweizer Messer, Werbegeschenke: Der Korken ist raus, die Korkenzieherwendel sind lang gezogen wie bei einer Quetschkommode – aus ist´s mit der Werbewirkung!
Der Calmont türmt sich auf, Europas steilster Weinberg. Stuben, die Klosterruine, war im 12. Jahrhundert als Stiftung für adlige Damen errichtet worden. In Ediger-Eller weisen große Bauschilder auf die Großbaustelle „Zweite Tunnelröhre“ hin, die vor wenigen Tagen eingerichtet worden ist.
Mittagsrast im „Schnitzelhaus“ im Senheimer Hafen. Hier war am Vorabend noch dicker Schwoof mit Musik. Die Holländer, Meister der Landgewinnung, haben den Campingplatz komplett besiedelt. Essen ist gut, und der Wirt, ein Inder, ist freigiebig mit seinem Schnaps. Mit seinen Vorweg-Pizza-Happen lassen sich wohlfeile Scherze treiben.
Beilstein bleibt ein Schmuckstück, auch bei schlechtem Wetter. Immerhin hat es all die Tage nicht geregnet, selbst der Gegenwind ist sanft. Ein bisschen schaut sogar die Sonne vorbei. Kurz vor Cochem steht über einem Bergkegel eine dunkle Wolke, plötzlich ein gewaltiger Windstoß, gischtig-gleißende Wellen im Gegenlicht, wir müssen zum Ufer! Das Boot kämpft vergebens – da - nach wenigen Sekunden ist der Spuk zum Glück vorüber. Später liegen die Boote dann bei der Rudergesellschaft Cochem friedlich an Land und wir gönnen uns auf dem Transfer zum Hotel in Ernst noch ein Eis.
Abends prangen auf unseren Bierdeckeln unsere Vornamen, so will es die erfahrene Kellnerin. Umgekehrt wollen wir natürlich auch ihren Vornamen herauskriegen, den von dem bunten Mäuschen kennen wir schon. Das verabschiedet sich schon gegen zehn von uns – Feierabend – der Fahrtenleiter bekommt sogar ein Küsschen. Röhrender Protest am ganzen großen Tisch – und da macht sie doch glatt die Runde und schmatzt jeden von uns ab!
Später zur letzten Runde fragt unser Küken nach einem „kleinen“ Bier, und wird abschlägig von der Chefin beschieden. Aber sie könne ihm ja vom „normalen“ etwas abtrinken. Kaum steht das Tablett mit der Runde auf dem Tisch, nimmt sie sein Glas und – hast du nicht gesehen – ist sein Glas nur noch halb voll! Später dann Abschied mit Umarmungen von diesem schlagfertigen Hunsrück-Gewächs.

Schnaps ist Ballast-Ersatz für Wein

Der Sonntag ist Sonnentag. Vor dem dunklen Bergkegel scharen sich die Häuser Senheims im milchigen Licht um ihre Kirche. Herdrauch verzaubert das Bild. Am Gegenhang streift die Sonne immer mehr Baumwipfel.
Beim Auschecken geht manche Flasche von dem bewährten Apfelbrand mit. Vom Bootshaus in Cochem geht der Blick zur Reichsburg, die im hellen Sonnenlicht daliegt. Unscheinbarer ist da im Hintergrund die Ruine der Winneburg, ebenfalls eine gewaltige Anlage.
Bei der Mündung der Elz steigen wir im Wasser aus, um am „Kleinen Cafehaus“ noch einmal zusammen zu sitzen. Bis Hatzenport steht ein kleines Wettrennen mit Zeitvorgabe an, mit dem Vorteil, dass alle Boote fast gleichzeitig aus dem Wasser kommen. Das Aufladen unter den neugierigen Blicken der Terrassengäste ist Routine - ein Schlachtruf noch - und schon verabschieden sich die „Externen“, während die „Neuwieder“ in Null-Komma-Nix am Neuwieder Bootshaus Boote und Material versorgen.

Unser lieber Peter, der alles so perfekt geplant hat, hat uns in seiner freundlichen Art souverän durch die fünf Tage geführt. Damit hat er, denke ich, die letzten Eierschalen aus seinem Gefieder geschüttelt. Allen anderen Gockeln sage ich: Kräht weiter fleißig, sucht nur die besten Körner und – lasst euch keine Käfighaltung aufzwingen! Oder was sonst so Gockelideale sind. Also, ihr Lieben: Bis zum nächsten Jahr, dann aber wieder alle dabei!

Helmut Bohr