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Vogalonga

Brenner mit Schnee und Cognac-Schokolade
Brenner mit Schnee und Cognac-Schokolade Quelle: Axel Gundlach
Frühstück im Freien
Frühstück im Freien Quelle: Axel Gundlach
Kreuzfahrer und Ruderboote
Kreuzfahrer und Ruderboote Quelle: Axel Gundlach
beim "Stamm-Italiener"
beim "Stamm-Italiener" Quelle: Axel Gundlach
Nadelöhr Tre-Archi-Brücke am Tag danach
Nadelöhr Tre-Archi-Brücke am Tag danach Quelle: Axel Gundlach
Gruppenfoto
Gruppenfoto Quelle: Axel Gundlach

„Das isse die Spaß!“
Mittendrin statt nur dabei – der GTRVN bei der Vogalonga 2015

Für sechs Aktive des GTRVN war die Nacht auf den 21. Mai 2015 sehr kurz. Schon um 5 Uhr in der Früh rollte der Vereinsbus mit dem großen Bootshänger vom Vereinsgelände Richtung Süden. Michael Kröger, Irmgard Reisdorff, Peter Daberkow, Uli Groß sowie Sandra und Axel Gundlach brachen auf Richtung Vogalonga 2015.

Die Vogalonga findet seit 1974 jährlich am Pfingstsonntag statt und ist eine Regatta und gleichzeitig eine Aktion für den motorlosen Verkehr und gegen die Verschmutzung der Lagune von Venedig. Die Strecke beginnt und endet am Markusplatz und hat eine Länge von 30 km. Einzelne Vereinsmitglieder hatten in der Vergangenheit schon an der einen oder anderen Vogalonga teilgenommen, es gab bisher aber noch nie eine offizielle Teilnahme des Vereins.


Das muss geändert werden. Dies war die Idee von Irmi und André Gerlach sowie Andrea Eichler und Michael Kröger. Schon lange hegten die Vier den Traum einer Vogalonga-Teilnahme. Und als sie im letzten Jahr den Vorschlag äußerten, Pfingsten 2015 in Venedig verbringen zu wollen, war schnell klar, dass sie mit diesem Wunsch nicht alleine sind. Schnell waren über 20 Gleichgesinnte gefunden, die gemeinsam das Abenteuer Vogalonga (bzw. Bunga Bunga, wie es einige Vereinsmitglieder scherzhaft artikulierten) angehen wollten.
Insbesondere der langen Vorarbeit von Irmi und Andrea war es zu verdanken, dass sich kurz vor Pfingsten insgesamt 26 Vereinsmitglieder frohen Mutes gen Italien (nicht zu verwechseln mit Genitalien) auf den Weg machten konnten.

Den zeitlich längsten Weg hatte wohl der Vereinsbus mit den Booten vor sich. Die Stimmung im Stile einer Klassenfahrt war im Bus aber trotzdem prächtig. Dazu sorgte auch Irmgard, die den Rest der Busbesatzung im Stile einer erfahrenen Flugbegleiterin regelmäßig mit kleinen Leckereien verwöhnte, wobei insbesondere die selbst gebackenen Nussecken und die frischen Erdbeeren wahre Begeisterungsstürme im Bus entfachten. Michael und Sandra wechselten sich in der Rolle der Fernfahrer ab und lieferten eine souveräne Leistung ab. Auch kleinere Klimaprobleme (die erste Reihe schwitzte, die letzte Reihe hatte Frostbeulen) konnte die gute Stimmung im Vereinsbus nicht wirklich beeinträchtigen.


Kurz nach dem Start kam es dann auf Anregung von Peter zum ersten illegalen Glücksspiel. Alle 6 Businsassen sollten die Zeit wetten, wann der Bus abends auf das Gelände des Campingplatzes in Venedig einfahren sollte. Als wahrer Glücksritter sollte sich aber zunächst Michael erweisen, beim ersten Tankstopp fuhr er gerade in dem Moment an die Tanke, als der Dieselpreis um 8 ct. reduziert wurde. Gut gemacht! Nächster Tankstopp dann im Schnee am Brenner, erneut zum günstigen Tanktarif. In weiser Voraussicht hatte Alge am Vereinsbus die Winterreifen noch nicht gewechselt. Irmgard nutzte den Stopp zum Auffrischen der Bordverpflegung und freute sich insbesondere über die Cognac-Schokolade von Lindt. Auf dem Brenner dann erste Vorboten auf Gleichgesinnte, wir überholen einen DHL-Tieflader aus den Niederlanden mit ca. 30 Ruderbooten.


Die Fahrt erweist sich insgesamt als unproblematisch, auch die Verwirrtaktik der italienischen Verkehrsbeschilderung kann uns nicht stoppen. Auf den letzten 60 Kilometern sind die Kilometerangaben nach Venedig alles andere als schlüssig. Wir freuen uns, dass wir nur noch 50 km vor uns haben, nach 10 Minuten Fahrtzeit sind es plötzlich wieder 60 km. Um 19.45 Uhr fahren wir auf den gebuchten Campingplatz Miramare in Punta Sabbioni. Gewinner des Glücksspiels ist übrigens Axel, der mit einer prognostizierten Ankunftzeit von 19.38 Uhr am nächsten dran ist. Von den freundlichen und stets hilfsbereiten Campingplatzbetreibern werden wir mit den Worten „Familie Grenzbach ist auch schon da“ begrüßt. Wir vermuten, dass es sich bei den Grenzbachs um Christoph Grzembke mit Familie (Maike, Lara und Sebastian) handelt.

Nach der langen Anreise sind wir froh, die gebuchten Bungalows beziehen zu können. Klaus und Dodo Huth sind auch schon eingetroffen. Gemeinsam geht es zum Abschluss des Tages noch in eine benachbarte Pizzeria, wo ein kleiner Nachttrunk und die eine oder andere Stärkung eingenommen werden.
In der Nacht treffen dann auch noch Irmi, André und Kara Gerlach, Helene Weißenfels, Andrea Eichler und Nico Kröger mit dem Wohnwagen der Gerlachs ein. Am Morgen dann das erste gemeinsame Frühstück. Da es leicht nieselt, ziehen es alle Beteiligten vor, auf den überdachten Terrassen der beiden nebeneinander liegenden Bungalows der Familie Grenzbach und der WG Gundlach-Weißenfels-Reissdorf zu frühstücken. Alle sind sich einig, dass der Vormittag genutzt werden soll, schon einmal die Boote für die Regatta am Sonntag zu präparieren.

Mit Bus und Bootshänger fahren wir zur ca. 2,5 km entfernten Einlegestelle beim Ruder-Club „Canottieri Treporti“. Auch dies vorbildlich vom Campingplatz organisiert. Beim Aufriggern der Boote eine kleine Schrecksekunde: Bei der Heinrich fehlen 6 Feststellschrauben für die Stemmbretter. Dank moderner Kommunikationsmedien stellt sich glücklicherweise heraus, dass die Mannschaft der Heinrich diese bereits beim Verladen der Boote ins Reisegepäck gepackt hatten, damit diese sicher ankommen und nicht den Lack in den Gondleisten beschädigen".


Nachmittags reisen dann noch Martin, Bettina, Marius und Leonie Grzembke per Auto an, am Abend folgen dann noch Patrik Sassin, Elina Unruh, Markus Müller und Susanne Huttenlocher per Flugzeug. Die GTRVN-Vogalonga-Truppe ist komplett. Einige Neuwieder nutzen am Nachmittag die Möglichkeit für einen ersten Erkundungsausflug nach Venedig. Bei der Rückkehr auf den Campingplatz gibt es eine erste Hiobsbotschaft: Christoph Grenzbach hat Magen-Darm und sieht verheerend aus. Es muss bezweifelt werden, ob er bis zur Regatta wieder einsatzbereit ist. Der Abend wird erneut in der benachbarten Pizzeria verbracht. Mit den getrennten Rechnungen für die Familien 1 bis 9 bringen wir den Einheimischen zwar wieder an seine organisatorischen Grenzen, verbringen aber erneut einen gemütlichen Abend in geselliger Runde.


Am Samstag steht am Vormittag eine gemeinsame Stadtführung auf dem Programm. Die Tatsache, dass im Vorfeld trotz intensiver Bemühungen kein Stadtführer verpflichtet werden konnte, erweist sich im Nachhinein als echter Glückstreffer. Martin Grzembke gelingt es nämlich, für die Stadtführung das ehemalige Vereinsmitglied Steffi Hoben zu gewinnen, die in der Nähe von Venedig wohnt und lange Zeit in Venedig gearbeitet hat. Steffi erweist sich mit ihren Geschichts- und Ortskenntnissen als wahrer Glücksgriff und führt die Neuwieder Touristengruppe in zwei kurzweiligen Stunden an die wichtigsten Plätze der Stadt und gibt bereitwillig und kompetent Antworten auf alle Fragen der Gruppe. Beim letzten Halt erwähnt Steffi noch, dass es aktuell Diskussionen über die Vogalonga gibt, da rechtzeitig zum Start am Pfingstsonntag noch ein Kreuzfahrtschiff angekündigt ist, dass unmittelbar vor dem geplanten Start um 9.00 Uhr durch den Startbereich fahren soll. Das sind ja schöne Aussichten.

Immerhin soll das Wetter am Sonntag besser werden, am Samstag ist es am Vormittag elend, strömender Regen ohne Ende. Der Nachmittag steht dann noch zur individuellen Freizeitgestaltung zur Verfügung. Viele nutzen die Zeit für einige Bootstouren durch die Lagune oder die eine oder andere Besichtigung. Gegen Abend hört dann auch der Regen endlich auf. Der Abend wird wieder beim „Stamm-Italiener“ verbracht, auf dem Weg dorthin muss lediglich eine große Horde von Marathonläufern überwunden werden. Abends wird dann noch diskutiert, wie wir in die Vogalonga einsteigen wollen. Wir haben ca. 10 km bis zum Startgebiet zurückzulegen. Alternativ könnten wir uns auch einige Kilometer nach dem Start in die Regatta einreihen. Schnell sind wir uns aber alle einig, dass wir, wenn wir schon mal mit dabei sind, auch den Start aus nächster Nähe erleben möchten.


Am nächsten Morgen zeigt sich, dass ein gutes Zeitmanagement viel wert ist. Die meisten von uns stehen bereits um 5.00 Uhr auf. Um 6.30 Uhr geht es mit dem Vereinsbus vom Campingplatz zur Einlegestelle. Auch Christoph Grenzbach ist zum Glück wieder einsatzbereit. Gegen 7.15 Uhr gehen die 5 Neuwieder Boote wie geplant auf Wasser und erreichen pünktlich um 8.30 Uhr den Starbereich am Markusplatz. Auf dem Weg dahin treffen wir tatsächlich auf das angekündigte Kreuzfahrtschiff MSC Magnifica.

Pünktlich um 9.00 erfolgt bei hervorragenden äußeren Bedingungen (Temperaturen um 24 Grad, wenig Wind) der Startschuss durch eine Kanone. Alle sind froh, den Start aus nächster Nähe miterleben zu können. Ein riesiger Tross von fast 2.000 Booten und insgesamt 8.000 Wassersportlern setzt sich in Bewegung. Ein grandioses Schauspiel mit Ruderbooten, Kanus, Kajaks, Drachenbooten und Gondeln. Sogar einige Stand-Up-Paddler konnten in der Lagune erblickt werden. Ein farbenprächtiges internationales Schauspiel mit Teilnehmern aus Gesamteuropa und auch Übersee. Die meisten Aktiven stammen aus Italien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Eine friedliche und fröhliche Stimmung. Einige Sportler haben sich aufwändig verkleidet und ihre Boote geschmückt. Unser Favorit ist ein Schweizer Boot, bei der sich die gesamte Besatzung als Walter Wimmel verkleidet hat.

Nach dem Start am Markusplatz führt die Strecke über den Canal di San Marco vorbei an den Inseln Vignole und Sant Erasmo. An der Insel Burano vorbei knickt der Kurs ab durch die Lagune in Richtung der bekannten Glasbläserstadt Murano. Danach geht es zurück in Richtung Zentrum von Venedig. Nach ca. zwei Stunden wird von zahlreichen Booten die Möglichkeit genutzt, auf freier Strecke anzulegen und Dünnsäure zu verklappen (O-Ton Klaus Huth).


Kurz vor Ende der Regatta geht es dann noch einmal heiß her. Als sich der Lindwurm ins Zentrum von Venedig zurückschlängelt, wird es eng, verdammt eng sogar. Die halbherzigen Versuche der italienischen Wasserschutzpolizei, den Tross beim Einbiegen auf den Kanal, der direkt in den Canal Grande mündet, zu entzerren, wird von den Booten ignoriert, so dass es auf dem Canal zu einem Stau erster Güter kommt. Dies wird nur noch getoppt durch die erste Brücke, die Tre-Archi-Brücke. Selbst vier eingesetzte Froschmänner können es nicht verhindern, dass es hier zu einem enormen Hauen und Stechen kommt.

Jetzt heißt es, kühlen Kopf zu bewahren und sich zu behaupten. Der kühle Kopf gelingt nicht jedem, so dass es doch teilweise zu einigen Aggressionen zwischen einzelnen Booten kommt. Schade eigentlich, dass es im Gedränge doch teilweise recht unkameradschaftlich zugeht. Viele Boote sind nur am eigenen schnellen Vorankommen interessiert, was Steuermann Peter Daberkow dazu verleitet, diese Sportkameraden lautstark als wahre Egomanen zu bezichtigen. Aber vielleicht macht dies auch gerade den besonderen Reiz der Vogalonga aus. Als sich zwei deutsche Boote ein heftiges Wortgefecht liefern, wird dies von einem italienischen Gondoliere lauthals mit den Worten „das isse die Spaß!“ quittiert. Vielleicht hat er recht, vielleicht gehört dies einfach auch zu einer gelungenen Vogalonga.


Nach dem Durchqueren der Tre-Archi-Brücke entspannt sich die Situation wieder, es geht auf den Canal Grande, unter der Rialto-Brücke hindurch zum Ziel am Markusplatz, wo alle Teilnehmer ihre Teilnahmeurkunden und eine Medaille erhalten. Danach kann der Rückweg nach Treporti angetreten werden. Leider erweisen sich die letzten 10 km zurück als sehr zäh. Rechtzeitig zur Rückfahrt dürfen wieder Motorboote in die Lagune, die auf die muskelbetriebenen Boote wenig Rücksicht nehmen. Hohe Wellen, einige Untiefen und schmerzende Sitzbeinhöcker durch stundenlanges Sitzen ohne Pause sind alles andere als ruderischer Hochgenuss. Aber auch die letzte Etappe wird von allen Neuwieder Booten gemeistert.

Nach der Rückkehr wurden die Boote gemeinsam gereinigt und verladen. Abends, wie sollte es anders sein, folgt ein weiteres gemütliches Beisammensein beim Stammitaliener.
Zwei Neuwieder Boote hatten scheinbar am Sonntag noch nicht genug und nutzten den Pfingstsonntag für weitere Ausflugsfahrten per Muskelkraft. Der Rest nutzte den Tag nach einem gemeinsamen Frühstück an einer langen Tafel in der Sonne zu Ausflügen, wobei sich insbesondere die beiden Inseln Murano und Burano einer großen Beliebtheit erfreuten. Einige nutzten auch noch die Möglichkeit, per Wassertaxi die Vogalonga-Tour fast komplett nachzufahren.

Auch zum Abschluss gab es keine Experimente, beim Italiener unserer Wahl wurde die gemeinsame Tour offiziell beendet. Bettina bedankte sich im Namen aller Teilnehmer beim Organisationsteam Irmi und Andrea sowie André und Michael. Die Organisatoren hatten sich einen lange gehegten Wunsch erfüllt und es vielen Vereinskameraden ermöglicht, daran teilhaben zu können. Alle waren sich einig: eine tolle Veranstaltung, die es wert ist, dafür auch einige Strapazen wie die lange Anfahrt auf sich zu nehmen. Schon jetzt ist klar, dass wir hier schon früh in der Saison einen der totalen Saisonhöhepunkte 2015 im Verein miterleben durften. Und auch in einem weiteren Punkt waren sich die Teilnehmer einig: das dürfte nicht die letzte Vogalonga für den GTRVN gewesen sein, auch wenn es erst in ein paar Jahren zu einer Wiederholung kommen dürfte. Alle, die in diesem Jahr nicht die Chance hatte, an dieser Kultveranstaltung teilzunehmen, dürfen sich schon freuen: „Das isse, die Spaß!“

Axel M. Gundlach