Sie befinden sich hier:

Hauröder-Wanderung 2017

Quelle: Peter Daberkow
Quelle: Peter Daberkow
Quelle: Peter Daberkow
Quelle: Peter Daberkow
Quelle: Peter Daberkow

Traumpfad Pyrmonter Felsensteig, ein Albtraum oder ein schönes Abenteuer?


Die diesjährige Hauröder-Wanderung hatte es in sich, zumindest was die Höhenunterschiede angeht. Die Streckenlänge von 11,7 km ist für eine Hauröder-Wanderung nichts Ungewöhnliches. Die Höhenunterschiede von 400m Steigung und 400m Gefälle sind jedoch sicherlich für den Gelegenheitswanderer eine Herausforderung.

Martin und ich sind den Pyrmonter Felsensteig schon mehrfach gegangen und haben ihn als landschaftlich sehr abwechslungsreich und schön empfunden. Als sich im November abzeichnete, dass wir die Hauröder-Wanderung in diesem Winter organisieren werden, ist unsere spontane Wahl auf diesen Rundweg gefallen. Der Wirt der Pyrmonter Mühle sagte ebenso spontan zu, uns mit etwa 40 Personen in seiner Mühle zu beköstigen. Zur genaueren Planung sind wir den Weg dann eine Woche vor Weihnachten noch einmal abgegangen. Hier kamen dann doch einige Zweifel auf, ob dies die richtige Wanderstrecke für unsere Vereinswanderung ist. In Anbetracht des bereits reservierten Lokals gingen wir das Risiko ein und blieben bei unserer Entscheidung.

Mit 38 Wanderwilligen starteten wir pünktlich um 11 Uhr an der Pyrmonter Mühle, einem urigen Landgasthof unterhalb der Burg Pyrmont in der Eifel. Der erste Aufstieg zur Burg stellte den ersten Belastungstest dar. Hier hätte man sich noch zur Umkehr entscheiden können, um sich zum Frühschoppen in der gemütlichen Mühle niederzulassen, aber diese Blöße wollte sich niemand geben.

Eberhard Malzi informierte die Wandertruppe in einem Kurzvortrag über die Geschichte der Burg Pyrmont. Damit war dem ungeschriebenen Hauröder-Gesetz der heimatgeschichtlichen Bildung Genüge getan und der Weg wurde fortgesetzt. Die Strecke durch das malerische Elztal faszinierte durch enge Pfade und wechselnde Ausblicke auf die Elz, die stellenweise durch eine Eisschicht verziert wurde. Aufgrund der winterlichen Witterung musste man die steileren Wegpassagen mit äußerster Vorsicht passieren. Der eine oder andere setzte sich zwischendurch auf den Hosenboden, wurde aber durch einen rücksichtsvollen Vordermann oder einen drängelnden Hintermann wieder auf die Füße gestellt.

Nach gut der Hälfte der Strecke, aber gefühlten 1000 Höhenmetern kam nochmals ein steiler Anstieg und dann war sie da, die lang ersehnte Pausenstation. Sebastian und Robert waren mit dem Vereinsbus angereist und servierten in einer Schutzhütte flüssige und feste Nahrung für die erschöpften Wanderer. Tee, Glühwein, Radler und Apfelschorle standen bereit, um die Flüssigkeitsspeicher wieder aufzufüllen und bei der kalten Witterung von innen zu wärmen. Dazu wurde frisches Laugengebäck, Rosinenbrötchen und Spekulatius gereicht. Nachdem die Bedürfnisse nach Nahrung, Getränken und Ausruhen gestillt waren, wurde noch die Essensbestellung an die Pyrmonter Mühle durchgegeben und weiter ging es.

Zuvor hatte man an den Steigungen geschwitzt. Nun ging es über zugige Höhen zum Gipfelkreuz des Sammetzkopf. Normalerweise lädt dieser Platz zum Verweilen ein, da man einen guten Rundumblick genießen kann. Der eisige Wind wehte uns so kalt um die Ohren, dass wir schnell weitergingen und dem Ausblick nur wenig bis keine Beachtung schenkten. Leicht bergab ging es weiter über Felder und an kleineren Waldstücken vorbei. Kurz vor der Mühle musste nochmals ein kurzer, aber steiler Abstieg absolviert werden, bis wir gegen 16 Uhr an unserem Ziel und Ausgangspunkt, der Pyrmonter Mühle, ankamen.

Ziemlich durchgefroren von dem eiskalten Wind auf den Eifelhöhen ließen wir uns in der gemütlichen Mühlengaststätte nieder, die mit unserer Gruppe gut gefüllt war. Für diejenigen, denen es trotz Kaffee, Tee und heißem Kakao nicht warm werden wollte, bestand die Möglichkeit, sich vor dem Kamin aufzuwärmen. Das vorbestellte Essen ließen sich alle schmecken. Wer zwischendurch gezweifelt hatte, ob er den Strapazen der Tour gewachsen ist, war nun wieder versöhnt und letztlich stolz, diese anspruchsvolle Strecke an einem kalten Wintertag gemeistert zu haben. Irgendwie erinnerte dieses Gefühl an einen Abend nach einer langen Wanderfahrtsetappe. Zwischendurch verflucht man die Anstrengung und den ewigen Gegenwind und stellt die Frage, ob man sich nicht künftig eine andere Sportart suchen sollte. Ist man erst einmal gut am Ziel angekommen, hat sich regeneriert und sitzt bei einem guten Essen zusammen, ist im Rückblick alles gar nicht so schlimm gewesen und man würde es jederzeit wieder tun! In diesem Sinne hoffe ich, dass wir mit der Wahl des Pyrmonter Felsensteigs die richtige Entscheidung getroffen haben und freue ich mich auf die nächste Hauröder-Wanderung, die ja vielleicht nicht ganz so viele Höhenmeter wie in diesem Jahr bereithalten wird!

Bettina Grzembke