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Federweißer-Tour II

Uli bei der (erfolglosen) Mitgliederwerbung
Uli bei der (erfolglosen) Mitgliederwerbung Quelle: Axel Gundlach
Warten auf den (Nebel)Durchblick
Warten auf den (Nebel)Durchblick Quelle: Axel Gundlach
Heinrich vor Rüdesheim (ohne Nebel)
Heinrich vor Rüdesheim (ohne Nebel) Quelle: Axel Gundlach
Ein Prosit auf den Namensgegber der Fahrt
Ein Prosit auf den Namensgegber der Fahrt Quelle: Axel Gundlach
Old Joe auf dem Weg nach Koblenz
Old Joe auf dem Weg nach Koblenz Quelle: Axel Gundlach
Pause in Vallendar
Pause in Vallendar Quelle: Axel Gundlach

13. bis 15.10.2017 Wiesbaden-Biebrich – St. Goar - Neuwied

Wenn man Anfang des Jahres den Termin für die Federweißentour festlegt, hofft man natürlich auf goldenes Herbstwetter. Oftmals bleibt es bei der Hoffnung, aber in diesem Jahr hatten wir es geradezu perfekt angetroffen. Abgesehen vom Morgennebel (und der Nacht) schien die Sonne ohne Unterlass und der gefürchtete Gegenwind im Rheingau legte am 14. Und 15.Oktober 2017 eine Pause ein. Und dies, obwohl Wetterwart Martin R. seine Teilnahme kurz vorher abgesagt hatte!

Wer schon einmal dabei war, weiß, dass es bei der Federweißentour nicht nur ums reine Rudern geht, sondern dass auch die Geselligkeit, gutes Essen und Trinken keine untergeordnete Rolle spielen. So reisten wir im „Clubmobil“ mit Chauffeur Marius bereits am Freitagabend in Wiesbaden-Biebrich an, um den Auftakt der Wanderfahrt bei einem gemeinsamen Abendessen in der Bootshaus-Gastronomie „Rudersport“ zu begehen.

Ruderkollege Bernd Schmidt II und seine Frau Wencke kamen, wie jedes Jahr, dazu und verbrachten den Abend mit uns. Aufgrund der schlechten Beleuchtung an unserem Tisch musste sich nahezu jeder „outen“, inzwischen (stolzer?) Besitzer einer Lesebrille zu sein.

Unsere Luxusunterkunft mit Rheinblick bescherte uns bis auf einige Schnarchintermezzi eine ruhige und gute Nacht. Am Samstagmorgen bauten wir unser Frühstücksbuffet unter den Arkaden des Bootshauses auf und lümmelten uns auf den dort vorhandenen Lounge-Möbeln, die zwar angekettet, aber dennoch benutzbar waren. Pünktlich zum Frühstück wurde auch Nachzügler Patrik von seinem Privatchauffeur vorgefahren. Er wäre am Vorabend vermutlich der einzige ohne Lesebrille gewesen!

Um Punkt 10 Uhr waren wir startklar. Das war jedoch alles, was klar war, denn es herrschte dichter Nebel. Die gegenüberliegende Insel war nicht zu erkennen und auch die vorbeifahrenden Schiffe konnte man nur akustisch wahrnehmen. Einige Wiesbadener Ruderkollegen warteten ebenfalls darauf, dass sich der Nebel verzog. Darunter eine Konkurrentin von Helene, die in der Vorwoche beim Rheinmarathon in Düsseldorf im zweitplatzierten Boot ins Ziel kam. So konnte Helene, die im Siegerboot gesessen hat, nochmals ihren Erfolg in vollen Zügen auskosten. In großzügiger Siegermanier ließen wir den Wiesbadenern den Vortritt beim Losrudern, da die Sicht noch immer nicht wirklich gut war. Um 11 Uhr gab Fahrtenleiter Martin grünes Licht und auch unsere beiden Boote Old Joe und Heinrich setzten sich in Bewegung.

Zu Beginn hatten wir stellenweise noch mit Nebelbänken zu kämpfen, so dass die Aufmerksamkeit der Steuerleute in vollem Umfang gefordert war. Auf der Höhe von Eltville hatte sich die Sonne endlich gegen den Nebel durchgesetzt und bescherte uns nun bis zum Abend bestes Herbstwetter. Und das Ganze auch noch ohne Gegenwind!

Die Mittagspause legten wir in unserem Stammlokal im Bootshaus des Geisenheimer Rudervereins ein. Der Wintergarten mit Rheinblick, die freundliche Bedienung und das gute und preiswerte Essen hielten uns bei bester Wanderfahrtslaune. Am frühen Nachmittag setzten wir die Tour fort und trafen recht früh am Tagesziel St. Goar ein. Da wir das Gepäck im Boot mitführten und unser Chauffeur Clubmobil und Anhänger am Vorabend wieder nach Neuwied gebracht hatte, mussten wir kein Fahrzeug nachholen und hatten Zeit für eine kurze Siesta und einen kleinen Spaziergang rheinaufwärts. Dabei beobachteten wir einen älteren Kanufahrer, der sich zu unserer großen Verwunderung ausschließlich kreisend vorwärts bewegte. Wir entwickelten die wildesten Theorien, warum er das tat, kamen der Sache aber nicht auf den Grund.

Selbstverständlich nagten wir auch an diesem Abend nicht am Hungertuch und nahmen ein üppiges Abendessen in einer gemütlichen Pizzeria ein. Unser Versuch, nach dem Abendessen noch irgendwo ein Glas Federweißer zu ergattern, war zwar dem Grunde nach erfolgreich, aber mehr als ein Glas war nicht drin. Die Wirtin gab uns unmissverständlich zu verstehen, dass sie nicht gewillt war, ihre Gaststätte wegen uns länger geöffnet zu halten. Demnach werden die Bürgersteige, soweit vorhanden, im Zentrum des Weltkulturerbes Oberes Mittelrheintal noch erheblich früher hochgeklappt als in Neuwied. So lagen wir zumindest alle früh im Bett, bzw. auf den Isomatten.


Am nächsten Morgen waren wir angenehm überrascht, dass der Nebel bei weitem nicht so dicht wie am Vortag war. Nachdem wir üppig gefrühstückt hatten, setzten wir uns pünktlich um 10 Uhr in Richtung Neuwied in Bewegung. Die Sonne hatte sich zwar noch nicht durchgesetzt, aber es gab auch keine Sichtbehinderungen. Wegen der dürftigen Federweißen-Versorgung am Vorabend war auch von uns niemand benebelt. Ab Kamp-Bornhofen gab es wieder Sonne satt und das setzte sich bis zum Abend fort. Selbstverständlich gab es auch am Sonntag wieder eine ausgiebige Mittagspause. Der Biergarten in Vallendar bot sich dazu förmlich an. Aufgrund der sommerlichen Temperaturen waren wir nicht die einzigen Gäste, hoben uns aber in unserem Wanderfahrer-Outfit sehr stark von den anwesenden WHU-Studenten und Sonntagsausflüglern ab. Glücklicherweise wurden wir trotzdem bedient. Diejenigen, die zunächst bemängelt hatten, nicht in der Sonne zu sitzen, waren schließlich froh, einen Schattenplatz ergattert zu haben, da die Sonne ihre spätsommerliche Kraft nochmals voll entfaltete.


Der Wasserstand reichte auf unserer Weiterfahrt gerade so aus, um unbeschadet zwischen den Inseln durchzurudern. Die verbleibenden Kilometer bis Neuwied waren schnell zurückgelegt und wir legten um 16.00 Uhr an der heimischen Pritsche an. Nach der obligatorischen Bootsreinigungszeremonie beglückwünschten wir uns zum wiederholten Mal zu dem perfekten Wetter und waren einhellig der Meinung, dass wir das sicherlich verdient hatten! Es war auch der Spruch zu hören „wenn Engel reisen“ und von „Kaiserwetter“ war die Rede. Da kann sich nun jeder das Passende heraussuchen. Für uns war es jedenfalls ein toller Abschluss der Wanderfahrtssaison. Jeder konnte seine persönlichen Sonnentanks nochmals auffüllen, um gut durch den Winter zu kommen.

Bettina Grzembke