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Herbstwanderfahrt

Landgang
Landgang Quelle: privat
Vor dem Ablegen
Vor dem Ablegen Quelle: privat
Nr. 1 ist spät dran!
Nr. 1 ist spät dran! Quelle: privat
beliebtes Motiv: Pfalz bei Kaub
beliebtes Motiv: Pfalz bei Kaub
Heimatgewässer
Heimatgewässer Quelle: privat

Von Karlsruhe nach Neuwied

Aufgrund des besonderen Feiertags, dem 500. Jahrestag des Beginns der Reformation am 31. Oktober 1517, welcher ein bundesweiter Feiertag war, und dem darauf folgenden Allerheiligen Fest, bot sich in diesem Jahr die Chance mit nur einem einzigen Urlaubstag eine 5-tägige Wanderfahrt durchzuführen.

„Perfekt“ dachten sich Patrik Sassin und Bettina Effert und luden zur Wanderfahrt zwischen dem 28. Oktober und 1. November ein. Als Gewässer wurde der Rhein gewählt, dessen Abschnitte Oberrhein und Mittelrhein bei der Fahrt von Karlsruhe nach Neuwied befahren werden. Das wunderschöne Rheintal mit seinen zahlreichen Burgen und Schlössern als auch den Weinbergen oder den spektakulären Felswänden bei der Loreley sind auch für Ruderer, welche die Strecke bereits mehrfach gefahren sind, immer wieder eine Tour wert. Angenehmer Nebeneffekt: Ist das Ziel der letzten Etappe das Bootshaus in Neuwied, so wird kein Rücktransport des Boots mit dem Anhänger benötigt.

Trotz der reizvollen Strecke und der günstigen terminlichen Lage war die Teilnehmerzahl recht überschaubar, wodurch sich eine gemütliche Runde mit „Rundum-sorglos-Paket“, der Rheinhexe, einem 4er mit Steuermann, ergab. Vier Neuwieder reisten bereits am Abend des 27. Oktobers an, um am nächsten Morgen halbwegs frühzeitig aufs Wasser gehen zu können und entsprechend früh am ersten Etappenziel anzukommen: Speyer. Den Bootstransport übernahm freundlicherweise Patriks Vater, wodurch wir uns um den Verbleib des Anhängers keine weiteren Gedanken mehr machen mussten. Kurz vor Erreichen des Bootshauses durchfuhren wir eine Straße mit auffallend vielen leicht bekleideten Damen am Straßenrand – eine für uns ungewöhnliche Umgebung für ein Bootshaus. Der Bootstransport und das Abladen verliefen reibungslos, und nachdem Patriks Vater nach halber Strecke der Rückfahrt noch einmal umgekehrt war, hatte auch Patrik all seine Habseligkeiten zusammen. Im Bootshaus trafen wir zufälligerweise auf Stefan Verhoeven, welcher sich als Ziel gesetzt hatte, im Einer möglichst viele Kilometer im Altrhein zu befahren. Mitsamt Gepäck, Zelt, Verpflegung – versteht sich.

Im Karlsruher Bootshaus standen uns zur Nächtigung ein riesengroßer Trainingsraum und Umkleiden zur Verfügung. An den ersten beiden Tagen wurden wir von Martina und Henny Petri im Boot unterstützt. Eine Besonderheit dieser Wanderfahrt bestand auch darin, dass wir sechs Ruderer waren. Das erlaubte uns den Luxus eines mitfahrenden Verpflegungs- und Gepäckwagens und mit diesem Landdienst wechselten wir uns ab.


Die erste Etappe nach Speyer war als kurz und knapp geplant und ruderte sich bei mittelmäßigem Wetter angenehm schnell. Im Anschluss stand ein Besuch des Technikmuseums auf dem Programm, wozu ausreichend Zeit vorgehalten wurde. Hier finden sich für Jung und Alt zahlreiche Exponate, angefangen bei motorisierten Fahrrädern über Autos, Schiffe, Hubschrauber, U-Boote bis hin zu einer Boeing 747. Besonders begeistert waren wir auch von den originalen Lokomotiven, wovon es im Museum sowohl mehrere Schnellzug-, als auch Güterzugvarianten gibt. Nach dem Besuch des Museums nutzen Patrik und Heiner die Gelegenheit, einige Fahrgeschäfte auf der Speyerer Kirmes auszuprobieren. Die warme Mahlzeit folgte später, somit war hier nichts zu befürchten. Den Abend ließen wir beim Italiener, welcher sich praktischerweise direkt gegenüber vom Bootshaus befand, ausklingen.


Am dritten Tag wütete Herwart über Deutschland. Auch wenn in erster Linie der Nordosten Deutschlands vom Herbststurm betroffen war und man sich inmitten des Rheins keine Sorgen um umstürzende Bäume machen muss, so waren am Ende alle froh, heil in Worms angekommen zu sein. Alle im Boot hatten während der gesamten Fahrt Rückenwind – abgesehen vom Steuermann. Wellen kamen von vorne, hinten, rechts und links. Der Rhein ähnelte einem Schaumbad. Doch auch diese Aufgabe meisterte die Rheinhexe grandios. Die Erleichterung wurde im Brauhaus mit Bier und Williams gefeiert, nachdem wir bei der Bestellung von „Birne“ nur unglaubwürdige Blicke entgegengebracht bekamen. Auch das Wormser Bootshaus verfügt über einen ausgesprochen großen Trainingsraum und sogar ein Ruderbecken, dessen Benutzung nach geleisteter Trainingseinheit auf dem Rhein jedoch nicht mehr notwendig war. Ab Worms ruderten am nächsten Morgen Helene und Ralf mit.


Die weitere Fahrt nach Wiesbaden-Biebrich war verhältnismäßig unspektakulär. Ein frischer Herbsttag, der für uns früh begann, um ohne Hektik noch im Hellen in Wiesbaden anzukommen. Lediglich die Schwimmfähigkeit einer GTRVN Kappe wurde erprobt. Ergebnis: Schwimmt nicht. In Wiesbaden erwartete uns ein Trainingsraum mit schönem Blick auf den Rhein, welchen wir zur Nächtigung nutzen durften. Im Oberrhein scheint die Tendenz zum Zweitbootshaus zu gehen. Da könnte der GTRVN bei einigen Trainingsräumen glatt neidisch werden. Mit knurrenden Mägen warteten wir um 17.30 Uhr ungeduldig vor dem „Schützenhaus“ auf die planmäßige Öffnung. Heiner – aus Gründen der häufig schlechten Tierhaltung „eigentlich“ Vegetarier – gönnte sich hier ausnahmsweise ein Stück Wild. Auch der zweite Versuch, nachdem Patrik am Mittag als erster die 444 passierte, 6 Mal „Birne“ zu bestellen, scheiterte kläglich. Durstig zu Bett gehen mussten wir jedoch nicht.

Auch in Wiesbaden brachen wir recht zeitig auf um rechtzeitig in Boppard anzukommen. Patrik steuerte uns gekonnt um die Loreley und wir kamen sicher in Boppard an. Dieses Mal war Ralf derjenige, der als erster die Schnapszahl (555) durchfuhr. Mit einer Runde Obstler wurde am Abend im Bootshaus dem alten Brauch genüge getan.


Ausnahmsweise wurde uns durch Beziehungen zwischen Patrik und Mitgliedern des RCGs gestattet im Gemeinschaftsraum zu übernachten. Dies kam uns sehr entgegen, da es sich in den Nächten mittlerweile doch deutlich abkühlte. Dies konnte uns auch Stefan Verhoeven bestätigen, welchen wir witzigerweise in Boppard erneut im Bootshaus antrafen. Er war zwar am gleichen Tag angekommen, hatte aber aufgrund der Fahrten über den Altrhein einen dreistelligen Kilometerbetrag mehr gerudert.


Die letzte Etappe von Boppard nach Neuwied gestaltete sich als ein gemütliches Ausrudern bei wunderbarer Herbst-Sonne. Auf der gesamten Wanderfahrt sind wir vor Regen verschont geblieben. Ganz im Gegenteil, wir haben alle etwas Farbe bekommen. Die spannende Fahrt durch Mannheim wird sicherlich lange in einigen Köpfen bleiben. Eine durchweg gelungene Wanderfahrt, die unbedingt wiederholt werden sollte!

Heiner Lambertz