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Hauröderwanderung 2

Kapelle in Bürder
Kapelle in Bürder Quelle: Martin Grzembke
Gruppe links (zum Erkennen)
Gruppe links (zum Erkennen) Quelle: Martin Grzembke
Gruppe linksrechts (zum Erkennen)
Gruppe linksrechts (zum Erkennen) Quelle: Martin Grzembke
"Aufstieg" zum Malberg
"Aufstieg" zum Malberg Quelle: Catrin Heinze
Ulis Vortrag am Malberg
Ulis Vortrag am Malberg Quelle: Martin Grzembke
Mittagsrast am Gebildeichshäuschen
Mittagsrast am Gebildeichshäuschen Quelle: Catrin Heinze
Vortrag Gebildeischshäuschen
Vortrag Gebildeischshäuschen Quelle: Maratin Grzembke
Klettereinlage
Klettereinlage Quelle: Catrin Heinze
Solscheider Kapelle
Solscheider Kapelle Quelle: Catrin Heinze

Was das inzwischen vergangene Jahr 2017 betrifft, so kann man ausnahmsweise einmal nicht von DER Hauröder-Wanderung 2017 sprechen, da es im Jahr 2017 tatsächlich zwei Hauröder-Wanderungen gab. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass es zwischen Weihnachten und Silvester 2016 kein Wochenende gab, das sich für die Terminierung der Hauröder-Wanderöder-Wabderungung anbot. Also musste man auf den ersten Samstag im Januar 2017 ausweichen. Zwischen Weihnachten und Silvester 2017 hingegen, bot sich wieder ein Samstag an und zwar der 30.12.2017.

Für diesen Samstag, den 30.12.2017 sah die Wetterprognose mehr als unfreundlich aus. Noch zwei Tage zuvor war für den kompletten Tag Dauerregen und starker Wind prognostiziert worden. Je näher der Samstag rückte, umso positiver wurden die Vorhersagen. Dennoch hatte man am Samstagmorgen wenig Lust, eine mehrstündige, aller Voraussicht nach mit Anstrengungen verbundene Wanderung anzutreten. Es goss wie aus Eimern und das Tageslicht konnte sich nur schwer gegen die Dunkelheit behaupten.

Dennoch fanden sich 48 Teilnehmer im Altersspektrum von 10 bis 79 Jahren am Startpunkt der Wanderung in Bürder an der Wied ein, um eine Strecke von 15,5 km, 630 Höhenmeter und vier heimatkundliche Kurzvorträge zu „überwinden“. Pünktlich zu Beginn der Wanderung hörte es auf zu regnen, so dass bereits der erste kulturelle Beitrag im Trockenen stattfinden konnte. Tour-Guide Martin referierte zum Auftakt über die Kapelle in Bürder, die als kunsthistorischen Schatz eine mittelalterliche Marienstatue beherbergt, deren Besonderheit man sich auf der Zunge zergehen lassen muss. Es handelt sich nämlich um eine „spätgotische niederrheinische Sitzmadonna“, die im Gegensatz zu den blichen „Linksmadonnen“ als „Rechtsmadonna“ ausgestaltet ist. Letzteres hat wohl weder etwas mit der politischen Gesinnung noch mit der Rheinseite zu tun, sondern eher mit der Beinhaltung der Madonna. Gestärkt durch diese kunstgeschichtlichen Einführungsworte setzte sich die Wandergruppe gegen 10.50 Uhr in Bewegung.

Zunächst führte der Weg an der Wied entlang, bevor der steile Anstieg in Richtung Malberg begann. Auf diesem Teilstück kamen alle Teilnehmer ordentlich ins Schwitzen, aber früher oder später kamen alle wohlbehalten auf dem Malberg an. Hier informierte Uli seine Vereinskollegen in einem kurzweiligen und hoch interessanten Vortrag über die Geschichte des Malbergs, der in vorchristlicher Zeit als Versammlungs- und Gerichtsstätte diente. Es handelt es sich zudem beim Malberg um eine vulkanische Basaltkuppe, an der bis zum Jahr 1932 Bergbau betrieben wurde. Außerdem wurde über die ehemalige Skipiste und die dazugehörige Liftanlage berichtet, die in den 60er Jahren die größte Kunstschneepiste Europas gewesen sein soll und im übrigen die längste Abfahrtspiste im Umkreis war. Nach dieser Bildungspause ging es weiter bis zur Kaisereiche, von der es heißt, sie sei im Dreikaiserjahr 1888 gepflanzt worden.

Nun war es Zeit für die von einigen schon länger ersehnte Mittagsrast. Nur wenige hundert Meter von der Kaisereiche entfernt, befindet sich die Kapelle „Gebildeichshäuschen“. Hier hatte der aus Marius und Christian bestehende Catering-Service des GTRVN einen kleinen Imbiss hergerichtet. Neben Laugengebäck, süßen Hefebrötchen und Lebkuchen wurden Glühwein, Tee und kalte Getränke angeboten. Die regennassen Bänke hatten die beiden sorgfältig mit Folie abgedeckt, so dass ausreichend Sitzplätze für die müden Wanderer zur Verfügung standen. Nachdem Hunger und Durst gestillt waren, musste zum wiederholten Male auch dem Bildungshunger Genüge getan werden. Tour-Guide Martin war nun wieder an der Reihe und informierte seine Mitwanderer über die Besonderheiten des „Gebildeichshäuschens“, einer Wetterschutzkapelle im Rheinbrohler Wald, deren Dachgebälk aus dem Holz einer einzigen Eiche gefertigt worden sein soll. Die Kapelle wurde zwischen 1969 und 1984 in überwiegend ehrenamtlicher Tätigkeit renoviert und wird auch heute noch gerne besucht. Nach diesem erneuten heimatkundlichen Input ging es zügig weiter.

Damit bei der vom Essen, Trinken und Zuhören ermüdeten Gruppe keine unnötigen Gedanken an einen Mittagsschlaf aufkamen, hatten die Wanderführer eine kleine Sondereinlage vorbereitet. Der aus einer extrem matschigen Senke herausführende Weg hatte sich im Laufe der letzten Wochen in ein Bachbett verwandelt. Zur Umgehung dieser durchnässten Passage wurde den jüngeren und jung gebliebenen Teilnehmern empfohlen, den Weg zu verlassen und den Hang hoch zu kraxeln. Dies begeisterte nicht alle, aber kaum jemand wollte sich die Blöße geben, dieser Klettereinlage nicht gewachsen zu sein. Immerhin kamen alle gut oben an und der Weg in Richtung Langscheider Höhe wurde konnte trockenen Fußes fortgesetzt werden.

Auf der windig kalten Wiedhöhe zwischen den Orten Langscheid und Solscheid bot sich eine hervorragende Aussicht. Die dort gelegene Solscheider Marienkapelle, die erst im Jahr 1994 errichtet wurde, konnte als letztes heimatgeschichtliche Highlight der Wanderung nicht außer Acht gelassen werden. Tour-Guide Martin nutzte die Gelegenheit, um einen Text aus dem regionalen Pfarrbrief zu verlesen, der im Zusammenhang mit der Solscheider Kapelle verfasst worden war. Nach den besinnlichen Abschlussworten „…die Lebenden lenke, …“, wurden die Wanderer mit einer genauen Richtungsangabe auf den letzten Abschnitt der Wanderung geschickt.

Hinter dem Ort Solscheid ging es bergab in Richtung Wiedtal. Kurz vor Bürder gab es noch ein kurzes tierisches Intermezzo. Ein Falkner brachte seinen Raubvogel mithilfe einer Drohne dazu, eine Attrappe zu jagen. Das Schauspiel verlief jedoch weniger spektakulär als vermutet, so dass alle zügig weitergingen. Der Ausgangs- und Zielort Bürder und die dort abgestellten Autos wurden gegen 16.30 Uhr erreicht. Sofern möglich, tauschte man die matschigen Wanderschuhe gegen ein sauberes Paar Schuhe. Dann ging es gemeinsam zur Abschlusseinkehr ins Restaurant Laubachsmühle. Hier stießen noch fünf weitere Vereinsmitglieder hinzu. Das bereits während der Mittagsrast vorbestellte Essen wurde prompt serviert und schmeckte vorzüglich. Das hatten sich auch alle redlich verdient! Noch besser als das Essen war jedoch für Teilnehmer und Organisatoren die Tatsache, dass es den ganzen Tag keinen Tropfen Regen mehr gegeben hatte. Gerne hatte man Schirme und sonstigen Regenschutz den ganzen Tag vergeblich mit sich herumgetragen.

Zum Abschluss nutzte Christoph die Gelegenheit, das letzte Mal im Jahr 2017 das Wort an die GTRVN-Mitglieder zu richten und allen ein gutes und gesundes Jahr 2018 zu wünschen. Sicher wird es auch im Jahr 2018 eine Neuauflage der beliebten Hauröder-Wanderung geben.

Bettina Grzembke