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Allyoucanrow

Was ein Spaß war wurde bitterer Ernst
AYCR oder auch All You Can Row – eine Veranstaltung der Karlsruher Alemania sieht vor wie der Name schon sagt, soviel wie möglich zu rudern. Das ganze startet mit Sonnenaufgang am Wochenende nahe dem längsten Tag des Jahres und endet bei Sonnenuntergang. Wer innerhalb dieser Zeit die längste Strecke im Ruderboot zurücklegt, gewinnt die Veranstaltung.

Am Start nebst weit über 100 weiteren Teilnehmern die beiden GTRVN Ruderer Patrik Sassin und Markus Müller zusammen mit Ihrer Mannschaft aus Christian Klandt, Jochen Betten und Michael Ehrle. Beim üblichen gemeinsamen Grillen am Vorabend in Karlsruhe meinte noch ein anderer Teilnehmer zu uns – als er die Vereinskleidung mit der Aufschrift „Neuwied“ sah - „Na, fahrt Ihr morgen nach Hause?“ Worauf hin wir entgegneten „Darüber macht man keine Witze, doch verrückt genug wären wir!“. Immerhin hieße das 251 km an einem Tag mit Muskelkraft zurückzulegen. In der Vorstellung des witzelnden Teilnehmers keine realistische Größenordnung.

Nachdem wir am nächsten morgen frühzeitig das Boot zu Wasser lassen konnten, so dass wir mit jeder Menge Proviant bei Sonnenaufgang losrudern konnten, begannen wir pünktlich unsere Reise. Viele andere Boote konnten gleich zu Beginn überholt werden. Bereits bei Speyer (~40 km) hatten wir die Konkurrenz weit genug hinter uns gelassen, dass der Sichtkontakt abriss. Offenbar machte der stetig stärker werdende Gegenwind den anderen mehr zu schaffen. So rauschten wir unaufhörlich rudernd an Worms und an Mainz vorbei, bis wir bei Geisenheim ankamen. Gleich neben einer Gaststätte gibt es dort einen Bootsanleger, den wir nutzen um einmal die Beine zu vertreten und ein paar Bedürfnissen nachzugehen – immerhin waren bereits über 150 km geschafft und das trotz Gegenwind.

Hofften wir noch nach verlassen des Rheingaus im malerischen Mittelrheintal auf weniger Gegenwind als zuvor zu treffen, wurden wir enttäuscht. Kräftig schob der Wind gegen uns und peitschte das Wasser teilweise sogar zu leichten Schaumkronen auf den Wellen auf. Dennoch blieben wir standhaft. Immerhin sollte es in Neuwied beim Gründungsfest der NRG Steaks und kühles Bier geben. So merkten wir zwar, dass das Rudern so langsam richtig in Arbeit ausartete, doch irgendwie trieb es uns auch zurück zur Heimat. Als dann im Bopparder Hamm sogar leichter Schiebewind auf uns wartete und ab Koblenz sogar der Wind fast gänzlich verstummte, gab es kein Halten mehr. Folglich kamen wir zwar merklich mitgenommen, aber doch solide vor Sonnenuntergang am heimatlichen Steg an. Dabei zu erwähnen, dass es kein zweites Boot bis an den Neuwieder Steg geschafft hatte, könnte schon fast Formsache sein, betrachtet man das Gesamtergebnis.

Zweitplatzierte wurde eine Mannschaft, dies es bis St. Goar getragen hatte – immerhin 51 km weniger! Mit Abstand die meisten Mannschaften schafften es gar „nur“ bis Oppenheim oder Mainz und nur wenige bis nach Bingen. Das sind zwar auch über 100 km und damit eine beachtliche Leistung, doch aber auch eine ganz andere Hausnummer. Offenbar hatte der starke Gegenwind und der niedrige Wasserstand seinen Tribut eingefordert. Somit noch mal auf diesem Wege die Gratulation an die Neuwieder Ruderer für Ihre Leistung.

Markus Müller

Quelle: privat