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Federweißentour 2

zufiredene Gesichter in der Rolandsbogen
zufiredene Gesichter in der Rolandsbogen Quelle: Martin Grzembke
Old Joe in der Warteschleife
Old Joe in der Warteschleife Quelle: Martin Grzembke
Die Steuerfrau hat alles im Blick
Die Steuerfrau hat alles im Blick Quelle: Martin Grzembke
Güldene Donauwelle
Güldene Donauwelle Quelle: Martin Grzembke
Mittagsrast in Bacharach
Mittagsrast in Bacharach Quelle: Martin Grzembke
Kneippkur in St. Goar
Kneippkur in St. Goar
Gruppenfoto vor dem Start in Wiesbaden
Gruppenfoto vor dem Start in Wiesbaden Quelle: Martin Grzembke

Auch wenn mir der grammatikalische Faux-pas bewusst ist, dass es eigentlich „Federweißer-Tour“ heißen muss, so bleibe ich doch bei dem unrichtigen Begriff, da es sich im Laufe der Jahre so eingeschliffen hat. Wie kann es anders sein, so hatte die Federweißentour der „Mittelalten“ auch in diesem Jahr wieder ihren festen Platz im Wanderfahrtenprogramm des GTRVN. Nachdem die Teilnehmerzahlen in den vergangenen Jahren eher im einstelligen Bereich lagen, sind wir 2018 mit einer stattlichen Flotte von vier Booten und 17 Personen unterwegs gewesen. Dabei habe ich das fünfte Boot mit Dodo und Klaus Huth und drei Essener Ruderdameraden noch unterschlagen. Nimmt man die noch dazu, waren sogar 22 Wanderfahrer von Wiesbaden-Biebrich über St. Goar nach Neuwied auf Tour.

Da die Vorfreude bekanntlich die schönste Freude ist, sind wir bereits am Freitagabend zum Bootshaus der Wiesbadener RG angereist. Nach dem Abladen der Boote wartete bereits ein eingedeckter Tisch in der Bootshausgaststätte auf uns. Trotz schummriger. Beleuchtung gelang es uns, die Karte zu studieren und diverse Köstlichkeiten zu bestellen. Neben den üblichen Getränken waren die selbst hergestellten Limonaden der Renner des Abends.

Am nächsten Morgen sorgten unsere Frühaufsteher Sandra und Axel für die Brötchenversorgung. Das Frühstück nahmen wir im Arkadengang des Bootshauses mit Blick auf den Rhein ein. So konnten wir uns schon während der ersten Mahlzeit des Tages auf einen Schönwetter-Rudertag einstimmen. Inzwischen waren auch die Nachzügler aus Essen sowie Marcus Weber und Bernd Schmidt II eingetroffen. Dem Start stand nun nur noch das obligatorische Gruppenfoto im Wege. Auch dieses Hindernis wurde mit Unterstützung von Bernds Frau Wencke überwunden und es konnte losgehen.

Aufgrund des langanhaltenden Niedrigwassers herrschte nur wenig Schiffsverkehr und dieser war mit verminderter Geschwindigkeit unterwegs. Auch ein leichter Schiebewind kam uns nicht ungelegen. Abgesehen von Untiefen, die wir nie zuvor gesehen hatten und uns daher zu erhöhter Vorsicht veranlassten, waren die Ruderbedingungen perfekt. Nach dem Passieren des Rheingaus ging es auf die Gebirgsstrecke. Der breite und zurzeit wenig strömende Rhein verwandelte sich in einen erheblich schmaleren Fluss mit nicht zu unterschätzender Fließgeschwindigkeit. Jetzt war noch größere Vorsicht hinsichtlich der Untiefen und Felsformationen angesagt.

Eine späte Mittagspause legten wir in Bacharach ein. Der gerade noch benutzbare Steg des Bacharacher Rudervereins sowie ein Anleger des WSA lieferten uns ideale Bedingungen zum Anlegen. Im Biergarten der dortigen neuen Bootshausgastronomie konnten Hunger und Durst gestillt werden. Gestärkt konnten wir die Weiterfahrt in Richtung Loreley antreten. Wegen des Niedrigwassers fuhren wir die berühmt berüchtigte Passage mit gemischten Gefühlen an, was sich aber im Nachhinein als unbegründet herausstellte. Alle Boote kamen wohlbehalten in St. Goar an. Das Anlegen stellte uns dort nochmals vor eine Herausforderung, da der Wasserstand vor dem Steg nicht mehr ausreichte. Der sandige Boden und die Badeschuhe einiger Teilnehmer ermöglichten jedoch ein unbeschadetes Aussteigen und Herausnehmen der Boote.

Das kleine Bootshaus in St. Goar bietet für 17 Übernachtungsgäste nur bedingt Platz. Da einige Teilnehmer bereitwillig in die Bootshalle auswichen, lösten wir das Platzproblem jedoch souverän. Schwieriger wurde es dann beim Duschen. Während gut zwei Drittel in den „Genuss“ einer mehr oder minder warmen Dusche kamen, mussten die Letzten auf eine Ganzkörperreinigung unter fließendem Wasser verzichten, da sich die Mischbatterie nicht mehr dazu bewegen ließ, weiteres Wasser aus dem Duschkopf fließen zu lassen. Also mussten sich einige von uns ungeduscht zum Abendessen in der kleinen, aber feinen Pizzeria „La Fontana“ einfinden.

Am nächsten Morgen durften wir länger als gewöhnlich schlafen, weil die Brötchenlieferung erst um 9.15 Uhr möglich war. Da die Wetterbedingungen genauso perfekt wie am Vortag waren, stellte das kein Problem für uns dar. Ein Problem bekamen wir dann aber doch noch, da die Toiletten des in die Jahre gekommenen St. Goarer Bootshauses dem Ansturm nach dem Frühstück nicht gewachsten waren. Wahrlich keine schöne Bescherung! Eine defekte Dusche und zwei verstopfte WCs waren keine gute Bilanz unseres Aufenthalts. Wir hoffen, dass der WSV St. Goar das Sanitärproblem bis zur nächsten Federweißen-Tour lösen wird!

Auch am Sonntag herrschte traumhaftes Wetter. Die Temperaturen brachten uns ganz schön ins Schwitzen. Zur Mittagspause in Lahnstein mussten die Badeschuhenbesitzer wieder ins Wasser steigen, da man am Steg der RG Lahnstein nicht mehr anlegen konnte. Alle anderen stiegen über den Bug aus. Nachdem die Boote sicher gelagert waren, bevölkerten wir den Biergarten des griechischen Lokals. Dodo und Klaus hatten sich dort ebenfalls mit ihren Ruderkameraden zum Mittagessen eingefunden.

Die verbleibenden 22 km bis nach Neuwied vergingen wie im Flug. Selbst in Koblenz herrschte ruhiges Wasser und gegen 16.30 Uhr trafen wir am heimischen Bootssteg ein. Mit vereinten Kräften wurden die Boote gereinigt und in den Hallen verstaut. Wir alle waren müde, aber hoch zufrieden, ein so schönes spätsommerliches Ruderwochenende miteinander verbracht zu haben. Unsere Sonnentanks wurden so gut befüllt, dass uns die Erinnerung an die diesjährige Federweißentour den Übergang in das anstehende Winterhalbjahr sicherlich erleichtern wird!

Bettina Grzembke