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Mit der Nimm 2 auf Niederrhein-Tour

Abfahrt in Benrath
Abfahrt in Benrath Quelle: Bettina + Martin Grzembke
Hafen Düsseldorf
Hafen Düsseldorf Quelle: Bettina + Martin Grzembke
Steganlage WSV Düsseldorf
Steganlage WSV Düsseldorf Quelle: Bettina + Martin Grzembke
Niederrheinische Industriekultur
Niederrheinische Industriekultur Quelle: Bettina + Martin Grzembke
Kunstrasenpritsche in Homberg
Kunstrasenpritsche in Homberg Quelle: Bettina + Martin Grzembke
Bootshaus des Homberger RK Germania
Bootshaus des Homberger RK Germania Quelle: Bettina + Martin Grzembke
Abendstimmung in Xanten
Abendstimmung in Xanten Quelle: Bettina + Martin Grzembke

Bereits vor fünf Jahren haben Martin und ich das Experiment gewagt, den Rhein weiter abwärts als Köln-Stammheim zu rudern. Da das Experiment damals erfolgreich verlaufen ist, starteten wir am verlängerten Fronleichnamswochenende 2019 eine Neuauflage dieser Tour mit leicht veränderten Etappenzielen: Neuwied-Bonn (45 km), Bonn-Benrath (68 km), Benrath-Homberg (61 km), Homberg -Xanten (43 km).

Los ging es bereits am Mittwochnachmittag. Pünktlich um 16 Uhr legten wir zu unserer zweiten „Abwärtstour“ am Neuwieder Bootssteg ab. Die angekündigten Gewitter blieben glücklicherweise aus, lediglich zwei kurze Schauer trübten den Rudergenuss. Unser erstes Ziel, das Bootshaus des ARC Rhenus in Bonn, erreichten wir mühelos. Der Ruderwart des benachbarten Bonner RV eilte freundlicherweise sofort herbei, um uns beim Tragen des Bootes zu helfen und verwickelte Martin in ein fachmännisches Gespräch über die Optimierung von Rollsitzen. Als wir zum Abendessen in die Innenstadt aufbrechen wollten, schüttete es wie aus Eimern. Im Gegensatz zu den Teilnehmern des Bonner Nachtlaufs, die uns zahlreich und durchnässt entgegenkamen, hatten wir jedoch den Vorteil, einen schützenden Schirm über uns halten zu können.

Der Donnerstag gab sich schwül und gewittrig. Wieder war eine helfende Hand zur Stelle, in der Person von Dirk Meyenburg, um uns das Tragen des Bootes zu erleichtern. Bis Köln kamen wir gut voran. Wir wunderten und freuten uns gleichzeitig, dass ausnehmend wenig Schiffsverkehr herrschte, als uns auf Höhe des Rheinauhafens die Wasserschutzpolizei stoppte. Aufgrund der „Mülheimer Gottestracht“, einer traditionellen Fronleichnamsprozession per Schiff, war nämlich die komplette Rheinschifffahrt gesperrt! Kein Wunder also, dass so wenig Schiffsverkehr herrschte. Wir wollten gerade zu einer Zwangspause am Schokoladenmuseum in den Hafen einbiegen, als uns ein Schiff der Wasser-und Schiffahrtsverwaltung die Freigabe signalisierte. Da hatten wir ja noch einmal Glück gehabt und sind genau zum richtigen Zeitpunkt in Köln eingetroffen! Die Weiterfahrt gestaltete sich dann jedoch extrem unruhig, weil sämtliche Talfahrer, die zwangsweise aufgehalten worden waren, gleichzeitig losfuhren und uns ein Wellenpotpourri erster Güte lieferten. Nach dieser „Costal Rowing“-Einlage hatten wir uns eine Pause beim RTHC Bayer Leverkusen redlich verdient. Auch nach der Pause blieben die vorhergesagten Regengüsse aus, jedenfalls zunächst. Drei Kilometer vor unserem Ziel setzte dann unnötigerweise doch noch der herbeigeredete Niederschlag ein, aber nun hatten wir es ja fast geschafft. Bei der Benrather RG wurde uns als Schlafgemach eine ganze Turnhalle zugeteilt, in der wir mit unseren Schlafsäcken und Isomatten etwas verloren wirkten, was aber einer guten Nachtruhe keinen Abbruch tat.

Am Freitag waren die Gewitter endgültig abgezogen und wir frühstückten auf der Bootshausterrasse mit Blick auf den Benrather Bogen. Die Berufsschifffahrt hatte sichtlich Mühe, diese enge Kurve zu durchfahren. Auch wir passierten sodann mit der „Nimm Zwei“ den Benrather Bogen und näherten uns der Skyline von Düsseldorf. Auch wenn es für eine Mittagspause noch zu früh war, ließen wir es uns nicht nehmen, ein kühles Radler auf der Terrasse des schicken Bootshauses des WSV Düsseldorf zu uns zu nehmen. Dann ging es weiter in Richtung Krefeld, wo wir am Bootshaus des Uerdinger RC anlegten und von der freundlichen Bootshauswirtin mit Getränken und einem leckeren Imbiss versorgt wurden. Die weitere Strecke führte an großen Industrieanlagen und Häfen vorbei, was vielleicht nicht schön, aber in jedem Fall interessant für uns war. Unser Ziel, der Homberger Ruderklub Germania in Duisburg-Homberg, lag genau am größten Verkehrsknotenpunkt der Rheinschifffahrt im Ruhrgebiet, nämlich gegenüber der Mündung der Ruhr und des Rhein-Herne-Kanals sowie einiger Hafeneinfahrten. Hier herrschte mächtig Schiffsverkehr, so dass höchste Aufmerksamkeit geboten war. Nachdem wir die Einfahrt in den kleinen Homberger Hafen passiert hatten, tauchten wir sofort in eine andere Welt ein. In dem von Schatten spendenden Bäumen gesäumten Hafenbecken war das Wasser spiegelglatt und es herrschte eine fast unheimliche Ruhe. Einen größeren Gegensatz zu dem vor wenigen Minuten erlebten Szenario auf dem Rhein konnte man sich kaum vorstellen. Als wir dann noch feststellten, dass der Bootssteg mit Kunstrasen ausgelegt war, hatten wir kurzzeitig das Gefühl, das gerade Erlebte sei nicht real. Als uns dann aber real existierende Menschen des Homberger RK Germania begegneten, mussten wir doch zugeben, dass wir nicht geträumt hatten. Wir wurden sehr freundlich empfangen und eingeladen, Anfang September zum „Homberger Kilometerfressen“ wiederzukommen.

Am Samstag stand unser vierter und letzter Rudertag an. Heute sollte es bis nach Xanten gehen. Zunächst wechselten sich Industrieanlagen und beweidete Wiesen ab. Dann überwogen Wiesen und Felder. Zunächst begegneten uns noch Schubschiffe, die bis zu sechs Leichter den Rhein hochschoben, wobei enorme Wellen erzeugt wurden. Dann nahm der Schiffsverkehr merklich ab und das Rudern wurde fast unbeschwerlich, wäre da nicht der für den Niederrhein typische Gegenwind gewesen! Kurz vor dem Ziel legten wir eine kurze Pause bei der RTG Wesel im Sporthafen Wesel ein. Am Hafeneingang wurden wir von Trainer Axel mit der scherzhaften Frage empfangen, ob wir heute von Neuwied bis Wesel gerudert seien. Er gewährte uns mit seinem Trainerboot Geleitschutz bis zur Pritsche. Die letzten sieben Kilometer bis zur Fähre Xanten verliefen wie im Flug. Wir holten das Boot an einer „strategischen Rampe“ aus dem Wasser, gönnten uns in der Fährhausgastronomie einen Abschlussimbiss und wollten dann mit dem Taxi in die Innenstadt von Xanten fahren, die etwa 2,5 km vom Rheinufer entfernt liegt. Leider waren alle Taxis ausgebucht, so dass wir die 2,5 km mit unserem Gepäck zu Fuß zurücklegen mussten. Auf diese „Wandereinlage“ unserer Wanderfahrt hätten wir gut verzichten können. So kamen wir ziemlich abgekämpft bei unserem letzten Quartier in der Xantener Altstadt an. Nach kurzer Dusch- und Regenerationsphase machten wir uns noch auf, um Xanten zu erkunden, was durch die dortige Fronleichnamskirmes etwas erschwert wurde. Am Sonntagmorgen konnten wir noch einen kurzen Blick in den Dom und den dazugehörigen Kreuzgang erhaschen, bevor unser Chauffeur Marius erschien und wir die Rückfahrt nach Neuwied antraten.

Auch wenn eine Wanderfahrt auf dem Niederrhein nicht die landschaftlichen Reize des Mittelrheins aufweisen kann, so ist auch der Niederrhein durchaus eine Wanderfahrt wert. Vielleicht schaffen wir es beim nächsten Mal bis zur Holländischen Grenze nach Emmerich oder noch ein Stück weiter über den Griethauser Altrhein bis nach Kleve. Fortsetzung folgt.

Bettina Grzembke