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Federweißentour, ein „Sommermärchen“?

Frühstück unter den Arkaden
Frühstück unter den Arkaden Quelle: Bettina + Martin Grzembke
Mühevolles Einsetzen der Boote in Biebrich
Mühevolles Einsetzen der Boote in Biebrich Quelle: Bettina + Martin Grzembke
Mannschaft der Julle im Rheingau
Mannschaft der Julle im Rheingau Quelle: Bettina + Martin Grzembke
Pause in Bacharach
Pause in Bacharach Quelle: Bettina + Martin Grzembke
Gruppenfoto mit "Goethe"
Gruppenfoto mit "Goethe" Quelle: Bettina + Martin Grzembke
Mannschaft der Donauwelle
Mannschaft der Donauwelle Quelle: Bettina + Martin Grzembke
Kuchenpause in Lahnstein (ohne Uli und Martin R.!)
Kuchenpause in Lahnstein (ohne Uli und Martin R.!) Quelle: Bettina + Martin Grzembke
Gruppenfoto ohne Pritsche in Biebrich
Gruppenfoto ohne Pritsche in Biebrich Quelle: Bettina + Martin Grzembke

Bereits im letzten Jahr ruderten wir die Federweißentour mitten im Oktober in sommerlicher Ruderkleidung. So setzte sich das ehemalige „Herbstmärchen“ nun als „Sommermärchen“ fort. Wieder konnten wir mit T-Shirt und kurzer Ruderhose ins Boot steigen und unsere Mittagspausen im Biergarten verbringen. Ob diese Witterung nun etwas mit dem Klimawandel zu tun hat oder damit, dass Wetterwart Martin Rummel seine Finger im Spiel hatte, ist unklar. Wir genossen es jedenfalls, am 12. und 13.Oktober 2019 bei milden Temperaturen und leichtem Schiebewind von Wiesbaden-Biebrich über St. Goar bis nach Neuwied zu rudern.

Wie der Name schon ahnen lässt, handelt es sich bei der Federweißentour um eine „Genusstour“. Daher beginnt sie auch schon am Freitagabend mit einem gemeinsamen Abendessen und gemütlichen Beisammensein in der Bootshausgastronomie der Rudergesellschaft Wiesbaden-Biebrich. Traditionell fand sich auch Alt-Trainer Bernd Schmidt II mit Ehefrau Wencke dort ein, um einen gemütlichen Abend mit den Neuwieder Ruderkollegen zu verbringen. Die gleichzeitig im großen Saal des Bootshauses stattfindende Hochzeitsgesellschaft machte einen eher gelangweilten Eindruck. Auch unser Erscheinen trug nicht maßgeblich zur Erheiterung bei. Bleibt zu hoffen, dass die Ehe nicht ebenso verläuft wie deren Beginn!

Nach einer nahezu schnarchlosen Nacht im Kraftraum des Bootshauses richteten wir unsere Frühstückstafel unter den Arkaden des Bootshauses ein. Die beiden Frühaufsteher Sandra und Ralf sorgten für frische Brötchen. Alle anderen Frühstückszutaten zauberten wir aus unserer mitgebrachten Schatzkiste hervor. Eigentlich hätte nichts dagegengesprochen, relativ früh los zu rudern. Kein Herbstnebel erschwerte die Sicht, die Sonne schien und es herrschte keinerlei Wind. Es gab nur ein Problem: Die Pritsche der RG Biebrich lag in kaputtem Zustand an Land! Eine äußerst ungünstige Voraussetzung, um drei Boote einschließlich Gepäck zu Wasser zu bringen. Wir hatten nun zwei Alternativen, entweder die 300m abwärts liegende Pritsche des Kanu-Vereins nutzen oder die Boote an einer nur mäßig geeigneten Stelle unmittelbar am Bootshaus einzusetzen. Wir entschieden uns für die zweite Variante. Irmi und Helene hatten schnell ihre Badelatschen zur Hand, bzw. an den Füßen und ließen sich zwangsläufig auf eine Kneippkur ein. So ließen wir ein Boot nach dem anderen mit äußerster Vorsicht zu Wasser, luden Gepäck und Mannschaft ein und waren dann endlich um 10.30 Uhr alle ruderbereit. Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass uns ein freundlicher Angler tatkräftig zur Seite stand, was ja erfahrungsgemäß keine Selbstverständlichkeit ist.

Unsere „Genusstour“ setzte sich mit „Rudergenuss pur“ fort. Im Rheingau herrschte Postkartenwetter und der Wind hielt sich zurück oder schob uns leicht rheinabwärts. Lediglich im Binger Loch machte der Wind den Versuch, uns das Leben kurzzeitig schwer zu machen, aber so schnell ließen wir uns nicht unterkriegen, geschweige denn untergehen. Hinter Bingen war die Welt wieder in Ordnung und die Mittags-, bzw. Nachmittagspause in Bacharach rückte näher. Bei „Joschs Rheinblick“ wurden wir bereits erwartet. Allerdings hatte Josch sich schlecht vorbereitet. Der Apfel-Walnusskuchen reichte nicht, so dass einige von uns auf Käsekuchen ausweichen mussten, aber auch dies tat der Stimmung keinen Abbruch.

Schon gegen 16.00 Uhr hatten wir unser Tagesziel St. Goar erreicht. Mit routinierten Handgriffen wurden Boote und Gepäck aus dem Wasser geholt und das Bootshaus konnte bezogen werden. Nachdem wir das Bootshaus im vergangenen Jahr mit defekter Dusche und verstopftem Abwasserkanal verlassen hatten, was allerdings nicht von uns zu vertreten war, hofften wir auf einen angenehmeren Aufenthalt in diesem Jahr. Tatsächlich waren Duschstange und Duschkopf erneuert und alles funktionierte reibungslos. Darauf tranken wir erst einmal einen Federweißen! Bevor wir unser Genussprogramm mit dem Abendessen in der Pizzeria „La Fontana“ fortsetzten, unternahmen wir einen Spaziergang zur Burg Rheinfels, um uns das Ruderrevier einmal von oben anzusehen.

Am Sonntagmorgen wurden die Schlafplätze geräumt und die „Frühstückstafel“ hergerichtet. Die noch warmen Brötchen konnten um 8.30 Uhr beim ortsansässigen Bäcker abgeholt werden. Einige bezeichneten die Brötchen als „Luftnummern“. Die Luftlöcher ließen sich aber ganz prima mit Wurst, Käse, selbst hergestellter Marmelade, Honig oder Nutella befüllen. Das Highlight bei den diesjährigen Brotaufstrichen war neben Weinbergpfirsichmarmelade, Erdbeerkonfitüre und Apfelgelee der selbst hergestellte Honig aus dem Hause der Familie Hein! Diese Köstlichkeit wurde mit sofortiger Wirkung zur Grundausstattung der Federweißentour deklariert.

Als wir losruderten, hatten sich aus Norden einige dunkle Wolken vor die Sonne geschoben. Wir vertrieben sie jedoch erfolgreich und fuhren ab Boppard wieder bei herrlichem Sonnenschein rheinabwärts. Zur Mittagspause in Lahnstein hatten sich Uli und Wetterwart Martin R. mit dem Fahrrad angekündigt. Die Nachricht von Uli, er habe uns schon einen Tisch für 15 Personen gesichert, erfreute uns kurzzeitig, bis wir merkten, dass er den Tisch beim Italiener in Vallendar und nicht in Lahnstein reserviert hatte! Ein leidiges Missverständnis. Die Idee einer gemeinsamen Pause war gut, lediglich an der Umsetzung haperte es. Die verbleibenden 22km bis Neuwied wurden bei nahezu sommerlicher Hitze zurückgelegt. Beim Putzen der Boote verschwitzten wir mindestens so viel Flüssigkeit wie wir zum Reinigen benötigten. So endete unsere Genusstour bei strahlendem Sonnenschein. Wir sind gespannt, ob sich das „Sommermärchen“ im nächsten Jahr fortsetzt oder ob es dann wieder, der Jahreszeit entsprechend, herbstlicher ausfallen wird.

Bettina Grzembke